Der Vorstand des FC Erzgebirge Aue e.V. hat sich nach eingehender Beratung und Abwägung aller für und wider sprechenden Faktoren letztlich dazu entschieden, gegen das Einzelrichter-Urteil des DFB Sportgerichts keinen Einspruch einzulegen. Dennoch sieht der FC Erzgebirge Aue e.V. bezüglich des dem Einspruchsverfahren zugrunde liegenden Sachverhalts seitens des DFB dringenden Handlungsbedarf und hat sich daher dafür entschieden, diesem Ansinnen in Form eines offenen Briefes an den DFB -unabhängig vom Fortgang des sportgerichtlichen Verfahrens- nochmals Ausdruck zu verleihen. Auch möchte der FCE im Rahmen dieses offenen Briefes seine Argumentation zum Vorliegen eines Regelverstoßes beim Tor zum 1:0 im Spiel Sonnenhof Großaspach- Erzgebirge Aue einer breiten Öffentlichkeit darlegen, um auch insofern im Rahmen der öffentlichen Diskussion dazu beizutragen, dass bezüglich der Verwendung des Freistoßsprays durch den jeweiligen Schiedsrichter und hieraus resultierender etwaiger Spielunterbrechungen Regelklarheit geschaffen wird.

Helge Leonhardt
Präsident
FC Erzgebirge Aue e.V.

Offener Brief zum Sportgerichtsverfahren hinsichtlich der Wertung des Spiels SG Sonnenhof Großaspach – FC Erzgebirge Aue

Deutscher Fußball-Bund
Direktion Recht
Otto-Fleck-Schneise 6
60528 Frankfurt/Main

Aue, den 18.08.2015

Offener Brief zum Sportgerichtsverfahren hinsichtlich der Wertung des Spiels SG Sonnenhof Großaspach-FC Erzgebirge Aue

Sehr geehrte Damen und Herren,

der FC Erzgebirge Aue hat sich nach reiflicher Überlegung dazu entschlossen, gegen dasEinzelrichter-Urteil des DFB-Sportgerichts vom 17.08.2015 keinen Einspruch einzulegen.Der FC Erzgebirge Aue hält jedoch an seiner Rechtsauffassung fest, dass der Treffer zum 1:0in Großaspach irregulär war und dass die Begründung im o.g. Urteil in Widerspruch zu deneigenen Vorgaben des DFB steht, welche er bei den von ihm angebotenen Lehrgängen zurTrainer- bzw. Schiedsrichterausbildung zugrunde legt und den Teilnehmern vermittelt.

Sofern in der Pressemitteilung seitens des DFB in der Urteilsbegründung ausgeführt wurde,dass es vorliegend keinen Regelverstoß gegeben habe, möchte zunächst der FC ErzgebirgeAue im Rahmen dieses offenen Briefes nochmals die in den Schriftsätzen an den DFB durchden vom Verein beauftragten Rechtsanwalt Alexander Lindner vorgetragene Sichtweisezusammenfassend wie folgt dokumentieren:„ […] In der 18. Minute des Spiels der 3. Liga zwischen der SG Sonnenhof Großaspach unddem FC Erzgebirge Aue am 02.08.2015 entschied der Schiedsrichter der Partie, Herr JustusZorn, in der 18. Minute auf Freistoß für die gastgebende Mannschaft in einer Entfernung vonca. 18 m vor dem Tor. Hierbei befand sich Herr Zorn zunächst an der Stelle, an welcher sichdas Foul von Mike Könnecke an Timo Röttger ereignete. Die Auer Mannschaft war geradedabei, eine Mauer zu stellen, als der Schiedsrichter – anhand der Fernsehbilder zweifelsfreinachweisbar – das Freistoßspray zückte und nach vorn in die Hand nahm. Hiermitsignalisierte der Unparteiische somit den Spielern, dass das Spiel unterbrochen ist und –anhand der Fernsehbilder ebenfalls zweifelsfrei nachweisbar – erst nach dieserSpielunterbrechung begab sich der Auer Torwart, Martin Männel, aus seinem Tor in Richtungder zu stellenden Freistoßmauer seiner Mannschaft. Aufgrund dieser vom Schiedsrichterangezeigten Spielunterbrechung konnten und mussten die Spieler davon ausgehen, dass dasSpiel vom Schiedsrichter mittels eindeutigem Pfiff erst wieder freigegeben wird, bevor derFreistoß zur Ausführung gelangen kann.

Im vorliegenden Fall kam jedoch hiernach der Spieler Rizzi von der SG SonnenhofGroßaspach von der Seite mit dem Ball zu der Stelle, von der der Freistoß auszuführen war.Urplötzlich rannte der Referee daraufhin zur Seite und ohne dass das Spiel durch ihn wiederfreigegeben worden war und ohne dass er überhaupt in Richtung des Balls im Moment derAusführung blickte, wurde seitens der Gastgeber das aus Sicht des FC Erzgebirge Aueirreguläre Tor zum 1:0 erzielt, wobei sich der Auer Torhüter noch gar nicht wieder in seinemTor befand.

In Regel 13 der Fußball-Regeln des DFB findet sich keine konkrete Regelung zurVerwendung des Freistoßsprays und einer hieraus resultierenden etwaigenSpielunterbrechung. Nach diesseitiger Auffassung stellt das Zücken des Freistoßsprays,sobald der Schiedsrichter dieses aus der Halterung deutlich sichtbar in seine Hand nimmt, einunmissverständliches Zeichen desselben dar, welches in entsprechender Anwendung derzusätzlichen Erläuterungen des DFB zum Regelwerk verhindern soll, dass der Freistoß vorder ausdrücklichen Freigabe des Balls durch den Schiedsrichter ausgeführt wird. […]Der Vollständigkeit halber ist zudem darauf hinzuweisen, dass wenige Minuten vor demstreitgegenständlichen Freistoß bei einem Freistoß für die Heimmannschaft in Strafraumnähedurch Schiedsrichter Zorn das Freistoßspray gezückt wurde, das Spiel dadurch unterbrochenwar und erst nach dem Ziehen der Linie in einer Entfernung von 9,15 m zum Ball und derFreigabe des Balls durch einen Pfiff des Schiedsrichters der Freistoß zur Ausführung gelangte.Mithin handelt es sich nach diesseitiger Auffassung vorliegend um einen eindeutigenRegelverstoß des Schiedsrichters im Sinne von § 17 c) der Rechts-und Verfahrensordnung desDFB, welcher die Spielwertung als verloren für den FC Erzgebirge Aue mit hoherWahrscheinlichkeit beeinflusst hat, da die Partie bis kurz vor Schluss durch dieses irreguläreTor 1:0 für die SG Sonnenhof Großaspach stand und somit den gesamten Spielverlaufmaßgeblich beeinflusste.

Soweit dem Regelwerk zu entnehmen ist, dass der Schiedsrichter den Spielern bei einemFreistoß unmissverständlich signalisieren muss, dass die Wiederaufnahme des Spiels nur nacheinem Schiedsrichterpfiff erfolgt und dass das Spiel erst nach dem Pfiff fortgesetzt werdendarf, ist dieser Tatbestand nach diesseitiger Auffassung vorliegend gerade erfüllt. Durch dieAufnahme des Freistoßsprays mit seiner Hand hat der Schiedsrichter den Spielern diesunmissverständlich signalisiert. Insofern hätte in entsprechender Anwendung der FußballRegulariendie Ausführung des Freistoßes erst nach dem Schiedsrichter-Pfiff erfolgen dürfen.Ebenso zeigen die Fernsehbilder deutlich, dass sich der Auer Torwart bis zum Entfernen desFreistoßsprays aus der Halterung in der Nähe der Torlinie befand. Erst nach dem Entfernendes Freistoßsprays aus der Halterung durch Schiedsrichter Zorn bewegte sich Martin Männelin Richtung der in der Bildung befindlichen Freistoßmauer.

Auch ginge nach diesseitiger Auffassung eine dahingehende Argumentation fehl, wonach dasEntfernen des Freistoßsprays aus der Halterung mit dem in der Hand halten der Pfeife desSchiedsrichters während des gesamten Spiels zu vergleichen ist. Der entscheidendeUnterschied hierbei ist, dass das Freistoßspray nur bei entsprechenden Freistoßsituationenzum Einsatz kommt, die Schiedsrichterpfeife jedoch stets kurzfristig während des gesamtenSpielverlaufs durch den Schiedsrichter benutzt werden können muss. […]Hinsichtlich der o.g. Anweisung an die Schiedsrichter, dass Freistöße in Strafraumnäheunbedingt freizugeben sind, ist auszuführen, dass nach Kenntnis des FCE auf sämtlichenTrainer-und Schiedsrichterlehrgängen – zumindest in den letzten Monaten – diesentsprechend den diesseitigen Ausführungen gelehrt wurde. Dies wurde dem Verein durch denehemaligen DDR-Oberliga-Schiedsrichter, Klaus Peschel, wie auch durch den ehemaligenFIFA-Schiedsrichter, Bernd Heynemann, bestätigt. Ebenso bestätigt wurde dies durch denAuer Torwarttrainer, Max Urwantschky, welcher in diesem Sommer einen DFBGrundlagenlehrgangzum Torwarttrainer in Bayern besuchte und wo genau dies denTeilnehmern – wie vom FCE vorgetragen – vermittelt wurde. Ebenso kann dies durch denAuer Spieler Nicky Adler bestätigt werden, der im Juni diesen Jahres einen DFBTrainerlehrgangzur Erlangung der B-Lizenz absolvierte. Somit widerspricht nach diesseitigerAuffassung die Handlungsweise von Schiedsrichter Zorn im streitgegenständlichen Fall aucheindeutig den Anweisungen bzw. den vermittelten Lehrinhalten seitens des DFB in denentsprechenden Lehrgängen. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass die vermittelten Lehrinhalteim Rahmen der Saisonvorbereitung des FC Erzgebirge Aue e.V. auch den Spielern desProfikaders in der vorgenannten Form mitgeteilt wurden. Sofern sich der DFB insoweit anseine eigenen Lehrinhalte hält, konnte der Auer Torhüter Martin Männel wie auch die übrigenFeldspieler aufgrund des Entfernens des Freistoßsprays aus der Halterung durchSchiedsrichter Zorn davon ausgehen, dass das Spiel unterbrochen und erst nach seinem Pfiffwieder fortgesetzt werden darf. […]

Im Verhalten des Schiedsrichters Zorn wird aus Sicht des FC Erzgebirge Aue e.V. eine klareBenachteiligung der Auer Mannschaft gesehen, da dieser entgegen seiner vorher eindeutigenGestik nach Rücksprache mit dem Großaspacher Spieler Rizzi urplötzlich den Tatort verließund den Freistoß ausführen ließ, ohne dass der erforderliche Pfiff erfolgte. Insbesondere in derAbsprache zwischen Schiedsrichter Zorn und dem Spieler Rizzi wird seitens des FCE nebendem dargelegten Regelverstoß auch ein Verstoß gegen den Fair-Play-Grundsatz und mithineine bewusst herbeigeführte Täuschung der Auer Mannschaft gesehen. […]“Der FC Erzgebirge Aue e.V. hält es daher unabhängig vom Ausgang dessportgerichtlichen Verfahrens zum Spiel in Großaspach im Interesse des FairplayGedankensund der erforderlichen Regelklarheit im Fußball seitens des DFB fürzwingend erforderlich, dass die Verwendung des Freistoßsprays und hierausresultierende etwaige Spielunterbrechungen allgemein verbindlich geregelt werden.Gleichzeitig erwartet der FC Erzgebirge Aue e.V. seitens des DFB eine Erklärung,inwieweit die Benutzung des Freistoßsprays durch die Schiedsrichter im Hinblick aufeine hieraus resultierende Spielunterbrechung bisher Lehrinhalt von Trainer-bzw.Schiedsrichterlehrgängen ist und bittet auch insofern um eine Klarstellung gegenübersämtlichen entsprechenden Ausbildern, damit künftig derartige Spielsituationenvermieden werden. Aus Sicht des FC Erzgebirge Aue e.V. gilt es, eine im Zuge derEinführung des Freistoßsprays entstandene Regelungslücke zu schließen und der FCErzgebirge Aue e.V. möchte mit diesem offenen Brief hierzu an den DFB nochmals einenDenkanstoß geben und einen Beitrag dazu leisten.

Mit freundlichen Grüßen
Helge Leonhardt
Präsident des FC Erzgebirge Aue e.V